Peter Rosmanith: Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus
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Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus

Christine Lavant

Gerti Drassl Stimme
Franz Hautzinger Trompete, Elektronik
Matthias Loibner Drehleier, Elektronik
Peter Rosmanith Perkussion, Hang

Erscheint im September 2019 in Mandelbaums Bibliothek der Töne

Sechs Wochen verbrachte Christine Lavant als Zwanzigjährige in der "Landeskrankenanstalt" Klagenfurt, nachdem sie einen Suizidversuch mit Medikamenten unternommen hatte. Elf Jahre später, im Herbst 1946 schrieb sie über ihre Erlebnisse mit Patientinnen, Pflegerinnen und Ärzten in der Institution Psychiatrie. Vor allem aber über ihre Selbstwahrnehmungen, die Zustände des eigenen Bewusstseins und Unterbewusstseins in dieser existenziellen Situation. Überscharf und mit höchster Intensität setzt die Autorin konkrete Situationen ins Bild, den Klinikalltag, die Behandlungen, die implizite Gewalt und die Strategien des Überlebens; alles ist dabei durchdrungen von apokalyptischen Phantasien.

Gerti Drassl gestaltet diesen inneren Monolog mit Empathie und Präzision. Glasklar und eindringlich macht sie selbst die leisesten Zwischentöne hörbar. Die abstrakten Klänge von Brot & Sterne erzeugen eine akustische Kulisse, die den Text einbetten. Es entsteht eine Wort & Musik-Erzählung von großer Intensität. 

PRESSE: Dieses Hörbuch ist, wie von Mandelbaums Bibliothek der Töne gewohnt, höchst ansprechend gestaltet. Mit Gerti Drassl wurde die perfekte Sprecherin gefunden. Und die Musik von Brot & Sterne alias Mastermind Peter Rosmanith (Perkussion), Franz Hautzinger (Trompete) und Matthias Loibner an der Drehleier legt sich aufregend um Lavants zarte, harte Sätze. Gewiss eine der gelungensten Hörbuchproduktionen des Jahres 2019. Alexander Kluy - Der Standard

AUSZEICHNUNG: Die "Deutsche Akademie der Darstellenden Künste" wählte diese Produktion im Oktober 2019 zum Hörspiel des Monats.

JURY BEGRÜNDUNG: Peter Rosmaniths Hörspielfassung von Christine Lavants "Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" (ORF 2019) besitzt die Intensität eines Kammerspiels in besonderem Maße: es inszeniert die subjektiv verstörende Perspektive einer suizidgefährdeten Zwanzigjährigen auf den stationären Aufenthalt in der "Landesirrenanstalt Klagenfurt" Mitte der 1930er Jahre. Zugleich dokumentiert bereits der poetisch-metaphorische Ausgangstext von Lavant die bedrückende Atmosphäre in einer der Psychiatrien, die später institutionell an der Vorbereitung der Euthanasie-Gräuel beteiligt waren.

Konzentriert auf die Sicht der Insassin in einer Kranken- und Heilanstalt erzählt dieses Hörspiel auch von deren manischer Verliebtheit, die durch das Abhängikeitsverhältnis vom ärztlichen Therapeuten einen Missbrauch forciert. Diese komplexe Geschichte wird stimmlich geradezu hypnotisierend umgesetzt von der mehrfach ausgezeichneten Südtiroler Schauspielerin Gerti Drassl. Die nüchterne, hierarchisch organisierte Zwangsexistent, explizit die Unterdrückungsmechanismen in einer psychiatrischen Verwahranstalt, werden durch die Kraft der Poesie im Kontrast zur scharfen Situationsanalyse artikuliert. Hin- und hergerissen zwischen Lavants Gefahr der Selbstauflösung und ihrem Versuch, sich aus dem Tunnel des inneren Schreckens zu befreien, hinterlässt das Hörspiel ein geradezu erschütterndes Stimmungsbild. Verstärkt wird dieses zum emphatischen Hören einladende Setting durch die gegenseitige Durchdringung der Text- und Musik-Bereiche (Instant Composings / "Improvisationen aus dem Augenblick heraus"). Dadurch wird die Atmosphäre der Bedrohung, Demütigung und existentiellen Verunsicherung der Protagonistin beispielhaft inszeniert. Text und Musik (von Franz Hautzinger, Matthias Loibner und Peter Rosmanith) begegnen sich auf einer Ebene völlig gleichberechtigt.